Unterwegs auf dem Schluchtensteig: Wetter und Weg

schluchtensteig kinder

Der Schluchtensteig also… Schon lange hatten manche Familienmitglieder von diesem Fernwanderweg geträumt. Gleichzeitig waren wir uns aber nicht sicher, ob und wie das klappen wird: Wandern mit Kindern, mehrere Tage lang, und dabei alles Gepäck mit uns zu tragen, das war für uns einfach neu und erforderte deshalb im Vorfeld ein wenig mehr Nachdenken als ein „normaler“ Urlaub.

Besonders die Etappeneinteilung hat uns auch tatsächlich herausgefordert. Der Schluchtensteig zieht sich in manchen Etappen durch Schluchten (z.B. die Wutachschlucht), wo mal eben zwischendurch „Aussteigen“ einfach nicht möglich ist — außer man bemüht die Bergwacht, aber das war nicht wirklich unser Ziel… 😉

Die Etappen sollten also nicht zu lang sein (aber gleichzeitig auch nicht so kurz, dass es langweilig wird). Kurz: Wir wollten einen Familienurlaub, in dem alle ein bisschen über sich hinauswachsen können und trotzdem Spaß haben, und keinen Härtetest…

Bei der Planung hätte ich mir wirklich gewünscht, auf Erfahrungsberichte anderer Familien zurückgreifen zu können. Einzelne Tage zu wandern und einzuteilen ist kein Problem, aber mehrere Tage mit Gepäck ist eben doch etwas anderes.

Und wie bei vielem gilt eben auch hier: Wenn man’s schon mal gemacht hat, ist die Planung einfach. Bevor man es das erste Mal macht, kann einem aber manches Kopfzerbrechen bereiten. Die Erfahrung macht’s also, und die fehlte uns ganz einfach noch.

Und schließlich müssen das doch auch schon andere Leute mit Kindern gelaufen sein, oder sind wir wirlich die einzigen? Das glaube ich einfach nicht! 😉

Aber einer muss ja mal anfangen mit den Erfahrungsberichten — und ich hoffe, dass meiner gleich mehrere Zwecke erfüllt:

  • Anderen Familien bei der Planung von Wandernurlauben zu helfen.
  • Dich dazu zu verlocken, den Schluchtensteig zu wandern. Egal ob mit oder ohne Kindern, er ist es definitiv wert!
  • Und falls du noch am Zögern bist, ob ihr einen Wanderurlaub mit Kindern tatsächlich wagen könnt… Dann hoffe ich, dass unsere Texte dir auch Mut dazu machen!

Deshalb das Wichtigste gleich vorneweg: Der Wanderurlaub war tatsächlich ein voller Erfolg!

Deshalb gibt es in diesem und den nächsten Artikeln auch zuerst mal viele Überlegungen und Erkenntnisse aus unserer Planung — in den folgenden Artikeln dann mehr zu den einzelnen Etappen.

Wegbeschaffenheit, Länge und Steigungen

Wer mit Kindern wandert, kennt dieses Phänomen: Unterwegs auf dem breiten, ebenen Forstweg, und noch kaum 10 Minuten gelaufen. Schon tun den Kindern die Füße weh. Der Rücken schmerzt. Sie brauchen was zu trinken. Etwa alle zwei Minuten wirst du gefragt: „Wie weit ist es denn noch?“.

Dann biegt euer Weg auf einmal seitlich ab. Es geht zwar recht steil den Berg hoch, aber… auf einem kleinen Trampfelpfad, der sich über Wurzeln und Steine mal links, mal rechts windet. Seitlich plätschert ein kleines Bächlein, in das man wunderbar Steine und Ästchen werfen kann. Und auf einmal hörst du kein Wort mehr davon, wie anstrengend das Wandern ist und dass die Kinder keine Lust mehr haben — obwohl dieser Pfad, objektiv gesehen, „anstrengender“ zu laufen ist…

(Und wenn wir ganz ehrlich sind: Uns Erwachsenen gefällt das doch auch besser! Kilometerlange, gerade „Forstautobahnen“ bringen mich auch zum Gähnen. Aber als Mama darf man das ja unterwegs nicht laut sagen, sonst ist die Stimmung der Truppe gleich im Keller… 😉 )

Die gute Nachricht ist: Der Schluchtensteig bietet jede Menge solcher kleinen Pfade, und außerdem jede Menge Abwechslung!

Es gibt zwar ein paar Stellen, an denen der Weg auch mal über einen schnurgeraden Forstweg oder sogar entlang einer geteerten Straße führt, aber insgesamt sind das eher die Ausnahmen. Der Rest des Schluchtensteigs besteht aus größtenteils kleineren Wegen und Pfaden, führt oft buchstäblich über Stock und Stein, manchmal durch Matschpfützen, und geht munter von links nach rechts, von oben nach unten, und dann zurück.

(Die schlechte Nachricht ist übrigens: Das ist ganz schön anstrengend, auch wenn es (nicht nur) den Kindern mehr Spaß macht. 😉 )

Auch entlang des Weges gibt es fast immer etwas kindertaugliches zu tun: viel Wald und viele Bäche und kleinere Flüsse bieten genügend Unterhaltung. Plant deshalb genug Zeit ein, um unterwegs einfach mal stehen zu bleiben oder eine kleine Extrapause einzulegen, in der ihr Steine über’s Wasser hüpfen lasst oder einen kleinen Staudamm baut.

Insgesamt ist der Schluchtensteig knapp 120 km lang. Die ca. 3500 m An- und Abstieg (ja, leider!) verteilen sich zum einen auf einige richtig steile Stücke, die vorher auf der Karte gut zu sehen sind und geradezu danach schreien, oben eine Vesperpause einzulegen. Einige Höhenmeter stecken aber auch gut versteckt im Weg selbst, der vor allem in den Schluchten immer wieder am Hang hoch und runter führt. Auch da kommt im Laufe des Tages einiges zusammen, deshalb solltest du z.B. auch die Etappen in der Wutachschlucht nicht unterschätzen.

Machbar ist der Weg auf jeden Fall, auch für mäßig durchtrainierte Menschen, aber gerade die kürzeren Kinderbeine haben doch einiges zu laufen und zu steigen. Aber zum Glück gibt es ja genügend Stellen, an denen sich entspannt eine Pause machen lässt…

Das Wetter

schluchtensteig panorama

Der Schwarzwald ist ein Mittelgebirge, und der Schluchtensteig selbst steigt teilweise auf über 1.100 m über NN. Wenn ihr also nicht gerade in den Alpen oder anderswo in einer ähnlichen Höhenlage wohnt, dann ist die Chance groß, dass es im Schwarzwald insgesamt einfach kühler ist, als ihr es gewohnt seid!

Das hat natürlich Vor- und Nachteile: Im Sommer kann es auch da oben warm und schwül werden, aber es ist doch deutlich erträglicher als z.B. im nahen Freiburg in der Rheinebene.

Wir haben im Juli/August 2016 tatsächlich einige recht schwüle Tage erlebt. Trotzdem ist das Laufen in dieser Höhe auch an einem heißen Sommertag natürlich allemal angenehmer als anderswo!

Nicht vergessen solltest du aber, dass in dieser Höhenlage sich auch die Sonne stärker bemerkbar macht. Vernünftiger Sonnenschutz ist also Pflicht, auch wenn es sich manchmal gar nicht „heiß“ anfühlt.

Andererseits wird es vor allem abends einfach schneller kalt, und bei Regen oder Wind kühlt man auch im Sommer schneller aus. Warme Kleidung zum Drüber- oder Drunterziehen (z.B. eine Fleecejacke) ist also auch bei gutem Wetter kein Luxus.

Im Frühling oder Herbst gilt das natürlich umso mehr — gerade mit Kindern lieber eine Lage zuviel als zu wenig einpacken! Wenn man mal durchgefroren ist, macht auch das Wandern keinen Spaß mehr.

Im Winter sind dann Teile des Schluchtensteigs (Wutachschlucht) sowieso gesperrt, da das Begehen aufgrund der Rutschgefahr lebensgefährlich sein kann. Dass man sich daran hält, vor allem mit Kindern, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber es gibt ja im Winter im Schwarzwald auch genügend andere Dinge, die man tun kann… 😉

Insgesamt hatten wir bei unserer Wanderung sehr großes Glück mit dem Wetter: ein etwas schlechterer Tag, aber über leichten Regen sind wir nicht hinausgekommen. Ansonsten war es teils sonnig, teils bewölkt. Der Boden war nach dem nassen Frühjahr zwar immer noch spürbar matschig, gerade in den Schluchten. Aber eine echte Regenperiode haben wir nicht erlebt. Bei einigen Abschnitten kann ich mir aber gut vorstellen, dass sie an oder kurz nach starkem Regen um einiges anspruchsvoller und rutschiger sind.

Zu guter letzt: Mögliche Gefahren…

Der Schluchtensteig ist ein toller Fernwanderweg — er ist aber kein kinderwagentauglicher Spaziergang, den man mal eben am Sonntag Nachmittag macht.

schluchtensteig sperrungÜber weite Strecken läuft der Weg auf sehr engen Pfaden oben an steilen Hängen entlang. Und nicht umsonst sind einige Etappen in Rettungssektoren für die Bergwacht eingeteilt… In der Wutachschlucht z.B. gibt es nur „vor“ und „zurück“. Wer sich da den Fuß vertritt, kann nicht einfach am nächsten querlaufenden Forstweg mit dem Auto abgeholt werden, weil es einfach keine anderen Wege aus der Schlucht gibt.

Gefahr besteht dabei nicht nur durch Unfälle, sondern auch durch Erdrutsche oder andere Naturereignisse im steilen Gelände. Immer wieder sind deshalb gerade in nassen Zeiten Abschnitte der Schluchten gesperrt, weil der durch einen Erdrutsch verschüttete Weg erst wieder begehbar gemacht werden muss.

Auf der anderen Seite gibt es mit einer vernünftigen Ausrüstung auch keinen Grund, Angst vor dem Schluchtensteig zu haben. Du kennst deine Kinder am besten: Sind sie trittsicher und zuverlässig? Halten sie sich an elementare Sicherheitsregeln? Dann nur zu!

Ein klein wenig gesunde Angst oder Vorsicht hingegen ist kein Problem, im Gegenteil: Das Gefühl, dass man die eigene Angst ein Stück weit überwunden hat, ist ja auch eine wichtige und tolle Erfahrung.

Kinder sollten jedoch so alt sein, dass sie die Gefahren verstehen und sich entsprechend verhalten können. Mit kleinen Kindern würde ich die Abschnitte in den Schluchten deshalb nicht laufen, auch nicht z.B. die Wutachschlucht als Tagestour. Da gibt es andere schöne Wege, die für die Eltern deutlich nervenschonender sind und auf denen auch kleinere Kinder unbesorgt einfach loslaufen können.

Außer den aktuellen Gefahrenhinweisen auf der offiziellen Schluchtensteig-Seite gibt es spezielle für die Wutachschlucht auch noch den Twitter-Kanal des „Wutachrangers“ Martin Schwenninger, der immer aktuell über das Wetter und die Wegverhältnisse informiert.

Mit ein klein bisschen Umsicht und der passenden Ausrüstung bietet der Schluchtensteig aber für Jung und Alt genau die richtige Portion Nervenkitzel und Herausforderung, so dass die ganze Familie Spaß hat!

Regine ist nicht nur die Mutter zweier wundervoller, kreativer, wissbegieriger und unternehmungslustiger Kinder, sondern auch Schreiberin, Querdenkerin, Ratgeberin und Forscherin. Sie interessiert sich (unter anderem) für gesundes Leben, Persönlichkeitsentwicklung, Naturgärten und Kognitionswissenschaft. Mehr von Regine lesen kannst du auf ihrer Webseite Weg der Offenen Türen.

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